Vater werden ist nicht schwer….

Vater werden ist nicht schwer ….

Ein guter Vater sein, dagegen sehr. Unter diesem Motto hat mich meine Frau gebeten, mal einen Gastbeitrag zum Thema „Vater werden und sein“ zu verfassen. Dieser Bitte komme ich natürlich gerne nach und nehme die Gelegenheit wahr, die letzten 23 Jahre mal Revue passieren zu lassen.

Die Geschichte unserer Hochzeit konntet Ihr ja bereits in den Geschichten „Mit dem Brautkleid mitten ins Herz der Schwiegermutter“ nachlesen.

Nun soll ich also über das Vatersein schreiben. Wenn ich aus heutiger Sicht darüber nachdenke, dann sind die letzten 22 Jahre viel zu schnell an uns vorüber gezogen. Manchmal habe ich schon das Gefühl, nicht alle Phasen der heranwachsenden Kinder intensiv genug wahrgenommen und gelebt zu haben. Aber es gibt auch viele Momente, in denen ich feststelle, es kann doch nicht alles so falsche gewesen sein, ich war als Papa eigentlich immer da. Ich hatte das Glück, beruflich nicht viel reisen zu müssen. Aber jetzt der Reihe nach.

Alles begann im Jahr 1994. Wir machten Urlaub auf Mallorca und haben dort unsere lieben Freunde Angelika und Lutz kennen gelernt. Sie hatten uns schon mit Feierlichkeiten zur Pflaumenhochzeit gedroht. Die Pflaumenhochzeit wird gefeiert, wenn ein Paar nach 5 Jahren Ehe immer noch kinderlos ist.

Dieses ungewollte Fest sollte uns erspart bleiben, im Juli 1995 wurde unser Sohn Maximilian geboren. Die Zeit „unserer“ ersten Schwangerschaft habe ich als eine sehr spannende und intensive Zeit in Erinnerung. Ich nahm großen Anteil an den Veränderungen, die der Körper meiner Frau in diesen Monaten mitmachen musste. Das ging sogar soweit, dass ich dachte, ich müsste aus Solidarität ebenfalls an Umfang und Gewicht zulegen. Wir waren also schwanger und plötzlich fängt man als werdender Vater an, Dinge zu hinterfragen, die einem bisher als absolut selbstverständlich erschienen und die man niemals in Frage gestellt hätte.

Ab dem Moment, als mich meine Frau über die Schwangerschaft informiert hatte, was eine unglaubliche Freude und Stolz in mir auslöste, richtete sich unser Lebensrhythmus von Ultraschalltermin zu Ultraschalltermin. Schließlich hatten wir über 3 Jahre auf diesen Moment warten müssen.

Ich bin ja von Haus aus ein sehr ungeduldiger Mensch und die Zeit bis zur Geburt zog sich unendlich zäh dahin. Aber am 1. Juli 1995 war der große Tag gekommen. Am frühen Morgen um 4 Uhr hatte sich die bevorstehende Geburt unmissverständlich angekündigt. Die Fruchtblase war geplatzt, aber wer glaubte, dass nun alles sehr schnell gehen würde, sah sich getäuscht.
Über diesen Tag könnte ich alleine Geschichte erzählen, aber das soll hier nicht Gegenstand sein. Jedenfalls war ich Fürher in der Schule schon kein Held, wenn es galt, eine Forelle im Biounterricht zu zerlegen (mit einer Nagelschere). Ich landete mit heftig verdrehtem Magen auf der Liege im Rektorat und alle Alte hatte mir prophezeit, dass ich eine Geburt niemals bei vollem Bewusstsein erleben würde. Aber an diesem Tag bin ich irgendwie komplett über mich hinausgewachsen und auch die normalerweise abstoßendsten Tätigkeiten konnten mir an diesem Tag nicht anhaben.

Es war ein wunderbares, unbeschreiblich erhebendes Gefühl, als ich meinen 4.440 Gramm schweren und 57 cm großen Sohn das erste Mal in den Armen halten durfte. Da war er nun, nach langem Kampf per Kaiserschnitt zur Welt gekommen, unser Sohn Maximilian. Nachdem klar war, dass es ein Junge werden würde, waren wir uns auch sehr schnell einig, dass er Maximilian heißen soll.

So waren wir also von nun an zu Dritt und es änderte sich Einiges. Das kleinste Familienmitglied nimmt ab sofort erheblichen Einfluss auf den täglichen Ablauf und man kann Entscheidungen plötzlich nicht mehr aus zwei Standpunkten heraus treffen, sondern es gelten ganz neue Regeln. Auch die Zweisamkeit ist jetzt eine andere und eine Frau hat als Mutter natürlich auch ganz neue Prioritäten. Papa muss da schon mal hinten anstehen.

Man kann sich zwar als Papa bestmöglich einbringen, Windeln wechseln, Brei warmmachen (oftmals zu heiß), füttern, und vieles mehr. Fakt ist, dass ein Neugeborenes eine emotional viel engere Bindung zur Mutter hat, als zum Vater. In dieser Lebensphase haben es Väter nicht immer einfach, wobei ich mich keinesfalls beklagen möchte. Als Vater kann man den Kleinen niemals die Nestwärme vermitteln, wie das eine Mutter tun kann. Und das ist auch gut so.

Eigentlich sollte Lina nach der anstrengenden ersten Schwangerschaft mindestens zwei Jahre nicht schwanger werden. Irgendwie hat das nicht geklappt und nur 20 Monate nach unserem Sohn kam unsere Tochter Viktoria zur Welt. Ein gesunder Wonneproppen mit 3.200 Gramm und 51 cm groß. Sie war das erste Mädchen in der Familie seit über 50 Jahren und ich war stolz wie Bolle.

Vater werden ist nicht schwer

Jetzt waren wir also komplett und Lina hatte es in den folgenden Monaten echt nicht leicht. Die Situation war fast wie bei Zwillingen und ein Haus sollte in dieser anstrengenden Zeit auch noch gebaut werden. Gekrönt wurde das Ganze noch von meinem Kreuzbandriss, der mich kurz vor Viktorias Geburt außer Gefecht setzte.

Von nun an dreht sich fast nichts mehr um die Beziehung zwischen Mann und Frau sondern fast ausschließlich um Kinder, Erziehung, Kindergarten und später um Schule.
In dieser Phase kann es leicht passieren, dass man sich als Paar ein wenig aus den Augen verliert. Ich war zwar relativ regelmäßig zuhause, aber durch meine nebenerwerbliche Selbständigkeit auch wieder nicht. Relativ viel Zeit verbrachte ich in meinem Büro im Untergeschoss. Ich kann mich noch sehr gut an die vielen Sonntage erinnern, als Maximilian am frühen Morgen bei mir im Büro stand. Das sind sehr schöne Erinnerungen und Momente, die ich nicht missen möchte.

Die ersten Jahren standen ganz klar im Zeichen der Mama. Das liegt zum einen daran, dass Frauen nunmal durch die Schwangerschaft einen eindeutigen Vorsprung uns Männern gegenüber haben und zum anderen dann in der Folgezeit immer da sind, wohingegen der Papa bei der Arbeit ist. Damals gab es die Möglichkeiten der Elternzeit, wie wir sie heute kennen, noch nicht. Und Stillen können wir halt auch nicht. Manchmal wünscht man sich als Mann, auch ein bisschen Mama zu sein und diese Nestwärme geben zu können. Aber die Rollenverteilung ist nunmal eine andere. Wir sind eher dafür vorgesehen, unseren heranwachsenden Kindern das Fliegen beizubringen.

Das sieht man als junger Vater natürlich noch nicht so. Aus heutiger Sicht kann ich sagen, dass das eine wunderbare Erfahrung ist, von der ich euch im nächsten Kapitel dieser Geschichte gerne mehr erzählen möchte.

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Kommentare

  • […] die ersten Jahre unserer Familie geprägt von der engen Mutter-Kind Beziehung (siehe Teil 1: Vater werden ist nicht schwer ….), so kam nun langsam […] Weiterlesen[…] die ersten Jahre unserer Familie geprägt von der engen Mutter-Kind Beziehung (siehe Teil 1: Vater werden ist nicht schwer ….), so kam nun langsam aber sicher die Zeit, in der der Vater eine sehr bedeutende Rolle übernehmen […] Weniger

  • Anonymous

    3. April 2017 at 20:06
    Antworten

    Lieber Thomas, das ist eine schöne Geschichte. Ich glaube das das vielen Vätern genauso oder ähnlich ergangen ist und bestimmt auch noch ergehen werden...😉. So […] WeiterlesenLieber Thomas, das ist eine schöne Geschichte. Ich glaube das das vielen Vätern genauso oder ähnlich ergangen ist und bestimmt auch noch ergehen werden...😉. So ist der Lauf der Zeit🙃. Eines ist definitiv wahr: wo ist nur die Zeit geblieben..🤔😱. Ein kleiner Trost... Die ist für uns Mütter genauso schnell gerast, wie für euch Väter...😉. In diesem Sinne möchte ich allen werdenden Vätern und Müttern eines mit auf den Weg geben... Genießt jeden Augenblick mit euren Kindern 😘🤗🙋🏻. Liebe Grüße. Gabi😌 Weniger

    • Thomas Bröckel
      zu

      13. April 2017 at 7:29
      Antworten

      Hallo Gabi, da hast du recht – "jeden Augenblick genießen" ist eine wichtige Botschaft. Kinder sind das größte Geschenk und wir haben eine sehr große […] WeiterlesenHallo Gabi, da hast du recht – "jeden Augenblick genießen" ist eine wichtige Botschaft. Kinder sind das größte Geschenk und wir haben eine sehr große Verantwortung, die wir uns auch täglich auf's Neue bewusst machen müssen. Gruß Thomas Weniger

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Über mich
Lina Bröckel

Hallo, mein Name ist Lina. Ich liebe es, mich mit dem Sinn unseres Daseins zu beschäftigen. Weiterlesen

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