Meine Rolle im Zuckerspiel

Meine Rolle im Zuckerspiel

Gastbeitrag von Thomas Bröckel

Oh mein Gott, was hat sie jetzt schon wieder vor? Pale… was? Paleo-Steinzeitdiät – mit diesem Vorhaben hat mich meine Frau irgendwann im Mai 2016 (der Monat unserer Silberhochzeit) konfrontiert. Ich hatte keine Ahnung von der Materie. Ich wusste nur, dass wir schon einige Dinge ausprobiert hatten, um die schlimmen Allergien, mit denen sie zu kämpfen hatte, in den Griff zu bekommen.
Dann hieß es für mich, ersten Schock verdauen und dann informieren. Da ich von Kindesbeinen an ein Haribo- und Kuchenfan war, schien dies eine fast unüberwindliche Hürde zu sein, auf Zucker, Mehl und Milchprodukte zu verzichten. Ich hatte mir ein wenig Bedenkzeit erbeten und mich dann an die Recherche gemacht.

Ich habe mich hauptsächlich in das Thema Zucker eingegraben, mit erstaunlichen Ergebnissen. Haben Sie zum Beispiel gewusst, dass der menschliche Körper nur ca. 25 Gramm Zucker am Tag braucht, wir aber schon bei relativ normaler Ernährung ca. 103 Gramm zu uns nehmen? Das hört sich im ersten Moment nicht so schlimm an, aber es ist doch die vierfache Dosis dessen, was für uns gesund ist. Wenn wir das auf ein Jahr gesehen so beibehalten, dann sind das mehr als 34 Kilogramm Zucker, was wiederum 11536 Zuckerwürfeln entspricht. Wenn man diese aufeinander stapelt, dann ergibt das einen Turm von 126 Metern Höhe, fast so hoch wie der Kölner Dom!
Wow, das hört sich echt viel an.

Glaube nicht alles was auf der Packung steht

„Das ist doch kein Problem für mich. Ich achte schon beim Einkauf darauf, nicht zu viel gezuckerte Produkte nach Hause zu schleppen.“
So weit so gut, aber die Lebensmittelindustrie weiß das offensichtlich auch und ist recht erfinderisch im Verschleiern von Zuckerangaben. Wussten Sie etwa, dass Acesulfam, Dextrose, Xylit, Aspartam, Gerstenmalzextrakt, Glukosesirup, Polydextrose, Maltodextrin, Magermilchpulver oder Maltit Cyclamat alles Synonyme für Zucker sind? Die Liste ließe sich beliebig verlängern, gibt es doch knapp 70 „Decknamen“ für Zucker.
Die Nährwerttabelle auf den Verpackungen bietet zwar eine gute Orientierung, allerdings wird der Zuckergehalt oft schön gerechnet. Denn in der Nährwerttabelle muss nur herkömmlicher Haushalts-Zucker deklariert werden, andere Süßungsmittel nicht.

Manipulation an allen Fronten

Je tiefer ich mich in die Thematik eingelesen hatte, umso frustrierter wurde ich. Bereits in den Sechzigerjahren nahm die amerikanische „Zuckerlobby“ massiv Einfluss auf Forschung und Politik. So flossen im „Projekt 226“ nachweislich 50.000 Dollar an Forscher der Harvard University, um zuvor veröffentlichte Studien, die Zucker alleinig für die Entstehung von Herzerkrankungen verantwortlich machte, zu widerlegen und den Zusammenhang zwischen Zuckerkonsum und tödlichen Herzerkrankungen herunterzuspielen.

Ist das nicht unglaublich?

Jetzt möchte ich den Zucker nicht komplett verteufeln, allerdings hat diese Manipulation eine folgenschwere „Light-Bewegung“ auf den Plan gerufen, die kalorienreduzierte Produkte auf den Markt schwemmte. Diese Produkte waren zwar fettreduziert, enthielten aber überdurchschnittlich viel Zucker. Die Folge: Fettleibigkeit nahm in Amerika dramatisch zu.
Aber auch in der EU treibt die Zucker-Lobby ihr Unwesen, so hat sie 2010 das Ampelsystem verhindert, das uns vor Lebensmitteln mit zu viel Zucker warnen sollte.

Jetzt aber genug der Ausschweifungen. Ich kann und will hier keinen wissenschaftlichen Bericht verfassen, dazu sind meine Kenntnisse zu oberflächlich. Aber zumindest haben diese Tatsachen bei mir dazu beigetragen, dass ich mich dem Paleo-Projekt meiner Frau letztendlich anschloss. Einzig den Verzicht auf Milchprodukte konnte ich nicht komplett umsetzen. So genieße ich auch weiterhin meinen Latte Macchiato mit Milch aber natürlich ohne Zucker, schließlich hatte ich etwas andere Ziele, als meine Frau. Bei 178 Zentimeter Körpergröße waren 96 Kilogramm einfach ein bisschen viel Ballast, den ich durch ein wenig Disziplin und Verzicht um knapp 15 Kilogramm reduzieren konnte, was mir auf jeden Fall nicht schaden sollte.

Es würde mich sehr freuen, wenn Du einen Kommentar hinterlassen würdest. Dazu einfach ganz nach unten scrollen!

Quellenangaben:
http://www.daserste.de/information/ratgeber-service/vorsicht-verbraucherfalle/versteckter-zucker
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/zuckerkonsum-zuckerindustrie-hat-jahrzehntelang-forschung-beeinflusst
http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2016-05/zucker-verschwoerung-ernaehrung-fett-uebergewicht

3 Kommentare
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Kommentare

  • Volker Henkelmann

    22. Januar 2017 at 19:09
    Antworten

    Ich kann Deine Bedenken bezüglich der Umstellung verstehen. Ich selbst habe vor ca. 1 Jahr meine Ernährung grundlegend umgestellt. Grund waren bei mir weniger Gesundheitliche […] WeiterlesenIch kann Deine Bedenken bezüglich der Umstellung verstehen. Ich selbst habe vor ca. 1 Jahr meine Ernährung grundlegend umgestellt. Grund waren bei mir weniger Gesundheitliche Probleme, sondern ein Buch mit dem Titel: "Die Alzheimer-Lüge" in Verbindung mit den Erfahrungen meiner Schwester, welche als Altenpflegerin arbeitet, war für mich schnell klar, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Allerdings konnte ich mir ein Leben ohne Milchprodukte und Wurst kaum vorstellen, bzw. hatte ich Angst vor dem Verlust an Lebensqualität. Jetzt nach 1 Jahr, kann ich sagen, ich vermisse rein gar nichts und fühle mich viel fitter und agiler. Ob man nun Paleo oder ein anderes Ernährungskonzept wählt, ist glaube ich zweitrangig. Wichtig ist es sich mit dem, was wir in unseren Mund stecken, intensiver auseinanderzusetzen und sich nicht auf das verlässt, was einem die Nahrungsmittel Industrie vorsetzt. In diesem Sinne, macht weiter so und gebt all denen Mut, die noch mit sich hadern. Ich finde das Toll👍 Weniger

    • Lina Bröckel
      zu Volker Henkelmann

      22. Januar 2017 at 19:48
      Antworten

      Hallo Volker, vielen Dank für deinen Kommentar. Da bin ich ganz bei dir, wir sollten uns mehr Gedanken machen über unseren Körper, vor allem über das, […] WeiterlesenHallo Volker, vielen Dank für deinen Kommentar. Da bin ich ganz bei dir, wir sollten uns mehr Gedanken machen über unseren Körper, vor allem über das, was wir uns zuführen. Ein Auto tankt man ja auch nicht mit Schrottbenzin. Man sollte sich wirklich die Zeit nehmen, wieder richtig zu kochen, anstatt nur schnell, schnell etwas in einen Topf zu werfen. Das ist man seinem Körper schuldig, sonst rächt er sich im Alter. Dir weiterhin viel Erfolg und danke für dein Buchtipp, werde ich mir zulegen. Bis bald wieder hier auf meinem Blog – Liebe Grüße Lina (auch im Namen meines Mannes) Weniger

  • Stefanie Brückner

    17. Januar 2017 at 8:48
    Antworten

    Toller Artikel. Ist eine interessante Story, die ihr da beschreibt.

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Über mich
Lina Bröckel

Hallo, mein Name ist Lina. Ich liebe es, mich mit dem Sinn unseres Daseins zu beschäftigen. Weiterlesen

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