Das Leben ist wie eine Waschmaschine (Teil 2) – Reisen, Pech und Pannen

Reisen, Pech und Pannen – Teil 2!

Die letzten Kilometer von Saloniki bis Chalkidiki sollten eigentlich etwas entspannter verlaufen als das, was bisher hinter uns lag und bis auf die Gewitterwand, die sich rabenschwarz und mega bedrohlich vor uns aufbaute und die Straßen in wenigen Minuten in reißende Bäche verwandelte, war dies ein fast langweiliger Streckenabschnitt.
Gegen Nachmittag erreichten wir dann endlich unsere Ferienwohnung bei Pavlos und seiner netten Frau (ihren Namen habe ich leider vergessen).
Die ersten Tage verbrachten wir einfach damit, die Gegend, Land und Leute kennenzulernen. Wir genossen Strand, Meer und Sonne in vollen Zügen. In zu vollen Zügen vermutlich, denn nach drei Tagen entwickelte mein Mann eine sehr unangenehm juckende Sonnenallergie, die sich vor allem im Brustbereich ausgebreitet hatte. Von nun an mied er die Mixtur aus Sonne, Sonnencreme, Sand und Salzwasser, wie der Teufel das Weihwasser.

Es kommt noch schlimmer!

Wenn ihr jetzt sagt, das kann doch alles gar nicht sein, dann muss ich euch leider sagen: „Doch, das kann sein und es kommt noch dicker!“ Es war der vierte Tag unserer Flitterwochen. Wir waren auf dem Weg zu einem Tagesausflug und befuhren eine Landstraße, die mittels einer relativ langen Einfädelspur in eine mehrspurige Schnellstraße mündet. Mein frisch angetrauter Göttergatte beobachtet mit nach hinten gewandtem Blick den fließenden Verkehr, um sich in eben jenen einzureihen. Damit war es so intensiv beschäftigt, dass er übersehen hatte, dass am Ende der Einfädelspur ein alter, klappriger VW-Bus zum Stehen kam, der wohl auf eine besonders große Lücke zum Einfahren in die Schnellstraße wartete.

Jetzt hat es geknallt

Ich hatte mittlerweile realisiert, dass Thomas die Gefahrensituation nicht erkannte und packte ihn am rechten Arm. Dieser Zugriff veranlasste ihn, seinen Blick nach vorne zu richten und eine Vollbremsung einzuleiten. Leider reichte es nicht mehr, den Aufprall zu verhindern und er donnerte mit voller Wucht auf den VW-Bus, welcher sofort in seine Einzelteile zerfiel. Unser nagelneuer Escort stellte die Motorhaube nach oben, wie das Matterhorn auf der Toblerone-Verpackung und Thomas sprang aus seinem heiligen Blechle auf die Straße und führte einen Affentanz auf, der sogar die Anwohner anlockte.
Er lamentierte und fluchte über seine Fahrkünste. Ob ich den Aufprall unbeschadet überstanden habe, interessierte ihn nicht die Bohne. Eine ältere Dame aus einem nahegelegenen Kiosk kümmerte sich schließlich um mich. Nachdem sich Thomas beruhigt hatte, musste der Escort in eine nahegelegene Werkstatt abgeschleppt werden.

Der große Spezialist (Bedschialist)

Ein weiteres Kapitel unserer unglaublichen Urlaubsgeschichte sollte folgen. Zuerst musste mit der heimischen Versicherung geklärt werden, wie das Fahrzeug Instand gesetzt werden sollte und wie das zu bezahlen ist. Wir hatten zwar einen Auslandsschutzbrief (immerhin) aber leider nicht vom ADAC (ADATSCH, wie der Chef es nannte), und nur dieser wurde vom Werkstattchef akzeptiert. Wir hatten mit der Werkstatt, in Absprache mit der Versicherung, vereinbart, dass der Schaden nur provisorisch behoben werden soll, sodass die Heimfahrt gefahrlos möglich ist.

Das hatte er verstanden und flickte unseren Ford wunderbar zusammen. Dass auch diese Geschichte nicht reibungslos verlaufen ist, muss ich wohl nicht extra erwähnen. Die beiden Scheinwerfer, die per Linienbus aus Saloniki geliefert wurden, passten leider nicht, obwohl wir den Monteur mehrfach darauf aufmerksam gemacht hatten, dass es sich um ein ganz neues Escort-Modell handelt, welches erst im Vormonat seine Markteinführung feierte. Er sei ein großer Spezialist (Bedschialist, wie er zu sagen pflegte) und kenne sich aus – na dann!

Escort mit provisorisch behobenem Frontschaden

Der nagelneue Escort mit provisorisch behobenem Frontschaden

Die endlose Reparatur

Unser hilfsbereiter Vermieter Pavlos

Unser lieber Vermieter Pavlos

Fünf Tage waren bereits vergangen und wir konnten endlich unseren blauen Escort abholen, so dachten wir zumindest. Der Spezialist konnte uns das Auto jedoch nicht aushändigen, da der Kühler-Lüfter nicht einschaltete und der Motor somit überhitzen würde. Morgen kommt ein weiterer Spezialist für Elektrik aus Saloniki (mit dem Bus), dann wird das Problem gelöst. Leider sollte es auch am nächsten Tag nicht klappen. Kurz bevor wir wieder enttäuscht abziehen wollten, hatte Thomas einen Geistesblitz. „Hast du die Sicherungen überprüft“, versuchte er dem Werkstattchef zu vermitteln. Er verstand uns nicht und so schritt Thomas zur Tat und suchte nach dem Sicherungskasten. Den Rest ahnt ihr bestimmt schon. Tatsächlich lag es an einer durchgebrannten Sicherung.

Dass die Bargeldbeschaffung von ca. 1.200 DM noch eine Abenteuerreise nach Saloniki mit sich brachte, soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben. Unser Vermieter Pavlos war so nett, mit Thomas nach Saloniki zu fahren, da es auf ganz Chalkidiki keinen Bankautomat gab, der willig war, so viel Geld auszuspucken.

Die restlichen fünf Urlaubstage verliefen sehr harmonisch und wir haben schöne Stunden in unserem Lieblingsrestaurant in Agios Nikolaos verbracht und so blieb uns unsere Hochzeitsreise bis heute, trotz aller Komplikationen, in sehr lieber Erinnerung. Die Heimfahrt verlief übrigens, man kann es kaum glauben, ohne nennenswerte Zwischenfälle.

Und die Moral von der Geschicht: Das leben ist kein Ponyhof

Essen in Agios Nikolaos

Lecker Essen mit verbrannter Nase in Agios Nikolaos

2 Kommentare
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Kommentare

  • Kirsten

    15. Juni 2017 at 18:34
    Antworten

    😂da muss ich gerade herzlich lachen, hallo Lina. Das kenne ich nur zu gut aus Griechenland. Mir ist, auch schon vor langer Zeit Ähnliches passiert. […] Weiterlesen😂da muss ich gerade herzlich lachen, hallo Lina. Das kenne ich nur zu gut aus Griechenland. Mir ist, auch schon vor langer Zeit Ähnliches passiert. Die Griechen sehen das eher entspannt.... schöne Geschichte 👍 Ich freue mich schon auf meine Reise im September/Oktober, da werden wir endlich mal wieder in Saloniki und Chalkidiki sein. LG und Dir einen schönen Abend Kirsten Weniger

    • Hallo Kirsten, vielen Dank für deinen netten Kommentar. Dann wünsche ich dir einen wunderschönen Urlaub bei den entspannten Griechen. Liebe Grüße Lina

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Über mich
Lina Bröckel

Hallo, mein Name ist Lina. Ich liebe es, mich mit dem Sinn unseres Daseins zu beschäftigen. Weiterlesen

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